Was in den ersten 48 Stunden wichtig ist
Ein Notfallordner kann sehr gut gemacht sein.
Register, Struktur, Unterlagen, alles ordentlich.
Und trotzdem gibt es den einen Moment, in dem das alles zweitrangig wird:
die ersten Stunden nach dem Notfall.
Ihre Familie steht unter enormen Stress.
Es sind vielleicht sogar lebenswichtige Entscheidungen zu treffen.
Genau für diesen Moment habe ich das Notfallblatt entworfen.
Eine einzige Seite, die ganz oben in Ihrem Notfallordner liegt.
Hiermit fassen Sie das Wichtigste für Ihre Familie zusammen.
Sie weiß sofort, dass die wichtigen Dokumente da sind.
Und wie sie Ihren Willen respektieren und befolgen kann.
Was ein Notfallblatt ist
und was es nicht ist
Ein Notfallblatt ist nur ein Blatt Papier.
Aber gefüllt mit den wichtigsten Informationen,
die Ihre Familie in einem Notfall braucht.
Und sofort alles verstehen kann.
Sie wird das Notfallblatt beruhigt und geführt.
Und ist dadurch sofort handlungsfähig.
Das Notfallblatt ist keine vollständige Unterlagenliste.
Es ist kein Ersatz für Vollmachten.
Es ist die Erste-Hilfe-Seite.
Es beantwortet die im ersten Moment wichtigsten drei Fragen:
- Wer muss jetzt kontaktiert werden ?
- Was muss jetzt sofort passieren ?
- Was wird in den ersten Stunden benötigt und wo findet man das ?
Mehr nicht.
Auch nicht weniger.
Und genau wegen dieser Konzentration auf das Wichtigste funktioniert es.
Warum „48 Stunden“ ?
Wenn man mal in Schwung ist, ist man schnell geneigt,
des Guten zu viel zu tun.
Man versucht, ganz viel auf diesem Notfallblatt unterzubringen.
Ist ja auch alles wichtig, irgendwie.
Aber, dann erfüllt das Notfallblatt nicht mehr seine Funktion.‘
Es verwässert die Klarheit, die genau jetzt, in diesen ersten Stunden wichtig ist.
Die 48-Stunden-Perspektive zwingt zu Klarheit:
- Was ist jetzt wichtig und zu erledigen ?
- Was muss heute oder morgen passieren ?
- Welche Personen sind zu integrieren und was müssen sie wissen,
damit alle für Sie handlungsfähig sind ?
Übrigens sind 48 Stunden natürlich keine starre Grenze.
Sondern eine verständliche Umschreibung.
Es geht hier darum, in den ersten Stunden und den ersten Tagen
möglichst viel richtig zu machen.
Was auf ein Notfallblatt gehört
Das-Wichtigste-Zuerst, Sie kennen mich.
Hier beschränken wir uns aber auf das Wichtigste, also:
Nur-Das-Wichtigste.
a) die wichtigsten Menschen – Ihr A-Team
Nennen Sie hier diejenigen, die Ihnen im Notfall helfen sollen.
Denen Sie vertrauen.
Und denen Sie es zutrauen, richtig zu entscheiden und zu handeln.
Entscheiden Sie bitte auch, wen Sie als 1. Person bestimmen.
Der schlussendlich entscheidet.
Das machen Sie einerseits hier auf dem Notfallblatt.
Andererseits ergibt sich dies aus Ihren Vollmachten
(Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Kontovollmacht über ein liquides Konto).
Zur Sicherheit bestimmen Sie noch eine zweite und vielleicht auch eine dritte Person,
die handeln, wenn die erste Person ausfällt.
Das ist Ihnen, Ihren Wünschen und Ihrem Gefühl überlassen.
b) medizinische Kurzinfos
Bedenken Sie bitte, dass auch hier Nur-Das-Wichtigste gilt.
Beschränken Sie sich also auf die notfallrelevanten Informationen.
Das Wichtigste sind:
– die wichtigsten Medikamente,
– Allergien,
– wichtige Diagnosen,
– Nennung des Hausarztes, der Sie gut kennt,
– Nennung von Fachärzten, falls das sehr wichtig ist und
– wo Sie krankenversichert sind.
c) Ihre Worte
als Anweisung für die hauptverantwortliche Person:
Handle bitte, wie Du meinst, dass ich es auch wollen würde.
Meinen Willen kannst Du meiner Patientenverfügung entnehmen.
Handle schlussendlich aber so, wie Du es verantworten kannst.
Ich vertraue Dir voll und ganz.
Alle für den Notfall nötigen Dokumente findest Du hier in diesem Ordner:
– Vorsorgevollmacht,
– Patientenverfügung,
– Bankvollmacht für ein Konto, das für Notfälle vorgesehen ist.
Medizinische Entscheidungen laufen über die Patientenverfügung und die bevollmächtigte Person.
Organisation übernimmt der Hauptverantwortliche.
Bitte keine Parallelabsprachen.
Mehr brauchst Du im Notfall nicht.
Ich habe auch einen Vermögensordner erstellt.
Dieser ist aber jetzt nicht relevant.
Er wird erst im Fall meines Ablebens benötigt.
Wo das Notfallblatt liegen muss
Ein Notfallblatt gehört in den Notfallordner.
Und nur dahin.
Dabei gehört es ganz vorne hinein.
Es ist das Erste, was man sieht, wenn man den Ordner aufschlägt.
Wenn Sie noch mehr Sicherheit bevorzugen,
geben Sie Ihrem Hauptverantwortlichen eine Kopie dieses Blattes.
Sie müssen ihn oder sie ja sowieso über Ihre Auswahl und Entscheidung informieren.
Dann können Sie dieser Person tatsächlich schon eine Version übergeben.
Achten Sie aber bitte auf zeitgleiche Datierung beider Versionen.
Wann ist das Notfallblatt zu aktualisieren ?
Sie brauchen keine monatliche Pflege. Aber Sie brauchen ein klares Prinzip.
Ganz einfach, Sie müssen nur aktualisieren, wenn sich bei den Wichtigsten-Punkten etwas ändert, beispielsweise:
-neue (existenziell wichtigste) Medikamente oder
– neue Vertrauensperson.
Machen Sie sich am besten einmal im Jahr einen Kalendertermin zur Überprüfung.
Und als Faustregel: einmal im Jahr kurz drüberschauen. Fünf Minuten. Mehr nicht.
7) Mini-Vorlage (zum Kopieren)
NOTFALLBLATT – Erste Orientierung (48 Stunden)
1. Ansprechpartner (Reihenfolge):
- ___________________ Tel: _______________
- ___________________ Tel: _______________
- ___________________ Tel: _______________
2. Medizinische Kurzinfos:
Medikamente: _____________________________
Allergien: ________________________________
Krankenkasse / Nr.: _______________________
3. Erste Schritte:
4. Wo liegt was?
Notfallordner: ____________________________
Schlüssel / Safe / wichtige Unterlagen: _____
Hinweis zu Zugang/Technik: ________________
5. Hinweis:
Bitte handeln Sie in meinem Sinne und leiten Sie die nächsten Schritte ein.
Schlussgedanke
Ein Notfallordner ohne Notfallblatt ist wie ein Werkzeugkasten ohne das Teil, das man als Erstes braucht.
Dieses eine Blatt sorgt dafür, dass Ihre Familie nicht suchen muss. Und es sorgt dafür, dass in einem Moment, in dem sowieso schon genug passiert, wenigstens die Organisation steht.
Nicht perfekt. Aber geregelt.