(Wer muss den Ordner finden und wie entsteht stabile Handlungsfähigkeit ?)
Es gibt zwei Arten von Notfallordnern.
Die erste Art liegt irgendwo im Haus.
„Den gibt es.“
Man hat vielleicht davon gehört.
Die zweite Art funktioniert im Ernstfall tatsächlich.
Der Unterscheid zwischen beiden liegt also einzig und allein in Beantwortung der Frage,
wo der Notfallordner ist und wie man gesichert und schnell an ihn kommt.
Denn ein Notfallordner ist nur dann ein Notfallordner,
wenn eine andere Person ihn im entscheidenden Moment
- findet,
- öffnen darf,
- sofort versteht,
- und darauf vertrauen kann, dass die Anweisungen aktuell sind.
In diesem Beitrag geht es jetzt genau darum,
wie Sie regeln, dass der Notfallordner im Notfall wirklich gefunden wird und funktioniert.
Worum es beim Notfallordner wirklich geht
Viele denken zuerst an wichtige Details.
Sind die Passwörter klar, gibt es Kontenvollmacht, sind die Vollmachten vergeben ?
Das ist aber nicht der erste Schritt.
Der erste logische Schritt, den sie aber unbedingt tun müssen,
liegt in der sicheren Beantwortung folgender Fragen:
- Wer weiß überhaupt, dass Sie einen Notfallordner gemacht haben ?
- Wer weiß, wo sich dieser befindet ?
- Wer kann ihn nutzen, ohne fünf Rückfragen zu stellen ?
- Ist der, der Zugriff auf den Notfallordner bekommt auch zum Handeln legitimiert ?
Wenn das nicht geklärt ist, ist der Notfallordner umsonst.
Vergebene Liebesmüh.
Ohne Beantwortung kommt es zu Hektik und Fehlentscheidungen.
Es wird improvisiert.
Keiner weiß, ob er in Ihrem Sinne handelt.
Und genau das wollten Sie verhindern.
Wen setzen Sie in diesen Prozess ein ?
Gehen wir am besten einmal einen Schritt zurück und rufen uns in Gedächtnis,
was der Notfallordner leisten soll.
Und was er nicht leistet und auch nicht preisgibt.
Er ist für den Notfall gedacht.
Nur für den Notfall.
Er hilft in den ersten Stunden.
Er hilft in den ersten Tagen.
Er hilft auch noch in den ersten Wochen.
Da er nur für diese Zeit gelten soll,
muss er keinerlei weiterreichende Informationen enthalten.
Nichts zu Ihrem Vermögen.
Nichts zu Ihrem Testament.
Es geht nur darum, dass in einem Notfall in Ihrem Sinne für Sie gehandelt werden kann.
Es geht jetzt nicht um Ihr Vermögen.
Um Zweifel geht das die Personen, die im Notfall handeln, auch (noch) nichts an.
Schauen wir uns also an, wen Sie in den Notfallprozess integrieren können:
Ihren Ehegatten
Logisch, das ist der erste Gedanke.
Funktioniert aber nur, wenn der Partner handlungsfähig
und mit der Situation nicht überfordert ist.
Deshalb braucht es zusätzlich eine zweite Person, besser sogar noch eine dritte.
Ein erwachsenes Kind
Wenn Ihr Kind damit klar kommt, ist das eine sehr gute Lösung.
Bei mehreren Kindern dürfen Sie natürlich niemand übergehen.
Benennen Sie ein Kind als ersten Handlungsbevollmächtigten
und dann die weiteren Kinder.
Eine Vertrauensperson außerhalb der Familie
Wird oft empfohlen.
Aber ehrlich, ich halte da grundsätzlich nichts von.
Familie ist Familie.
Und die soll auch für Sie entscheiden.
Eine Ausnahme davon nenne ich ausdrücklich:
Wenn keine Kinder vorhanden sind oder diese sehr weit weg wohnen,
dann dürfen Sie Ihren Ehegatten nicht allein lassen.
Dann müssen Sie einen Dritten einbeziehen.
Bedenken Sie aber, welch großer Vertrauensschritt das ist
und was sie diesem Menschen aufbürden.
Das ist nämlich nicht wenig Verantwortung.
Ihre Notfallanweisungen funktionieren, wenn andere Ihren Notfallordner finden und verstehen und dann handeln können
Folgende Fehler gibt es gar nicht selten.
Vermeiden Sie diese.
Fehler 1: „Der Ordner ist gut versteckt.“
Ein Notfallordner ist kein Schmuck.
Er muss nicht in einem Safe aufbewahrt werden.
Denn, wenn Sie ihn zu gut verstecken, findet ihn im Ernstfall niemand.
Fehler 2: „Irgendwer wird ihn schon finden.“
Und wenn nicht ?
Warum sollten Sie, nachdem Sie sich erst so Mühe mit Ihrem Ordner gegeben haben,
so ein Risiko eingehen ?
Fehler 3: „Das versteht man doch.“
Auch nein.
Ein Notfallordner muss so gestaltet sein, dass man ihn ohne Vorwissen nutzen kann.
Spielen Sie einen Notfall also gedanklich Schritt-für-Schritt durch.
Oder greifen Sie auf meine bewährte Struktur zu.
Der logische Anfang:
eine Notfall-Karte
Eine Notfall-Scheckkarte ist der eleganteste und gleichzeitig effektivste Weg,
um in einem Notfall den Notfallprozess starten zu lassen.
Denken Sie an mein Domino-Prinzip:
Mit der Notfall-Scheckkarte fällt der erste Stein.
Ich wiederhole es hier in Kürze:
– Notallkarte in mehrfacher Ausfertigung,
– Unterbringung im Portemonnaie und an 2, 3 anderen augenfälligen Orten
– auf der Rückseite die zu informierenden Personen mit Telefonnummern,
– diese Personen wissen Bescheid und und lassen den nächsten Stein fallen.
Wie das in die Notfallordner-Gesamtstruktur gehört
Wenn Sie gerade dabei sind, Ihren Notfallordner aufzubauen,
dann sind das die nächsten sinnvollen Schritte:
Was gehört rein – was nicht: Damit der Ordner nicht zu dick und unbrauchbar wird.
Notfallordner aufbewahren: Wo liegt er, damit er gefunden wird ?
Notfallordner Zugriff: Wer darf ran ?
Notfallblatt / 48-Stunden-Info: Was muss in den ersten Stunden sofort griffbereit sein ?