- Ein Notfallordner ist nur dann sinnvoll, wenn ihn jemand im Ernstfall findet,
nutzen darf und sofort versteht. - Mein Notfallordner ist absichtlich fokussiert.
Ich möchte, dass ein Notfall für Sie und Ihre Familie so wenig Belastung wie möglich bringt.
Mein Ziel ist einzig und allen Handlungsfähigkeit in den ersten Stunden sowie in den ersten Tagen.
Mehr nicht nicht.
Wenn mein Notfallordner genau diese eine Funktion gewährleistet, dann ist Ihr Ziel erreicht.
Es gibt zwei Arten von Notfallordnern
Die erste Art liegt irgendwo im Haus.
„Den gibt es.“
Man hat vielleicht davon gehört.
Die zweite Art funktioniert im Ernstfall tatsächlich.
Der Unterscheid zwischen beiden liegt also einzig und allein in Beantwortung der Frage,
wo der Notfallordner ist und wie man gesichert und schnell an ihn kommt.
Denn ein Notfallordner ist nur dann ein Notfallordner,
wenn eine andere Person ihn im entscheidenden Moment
findet,
öffnen darf,
sofort versteht,
und darauf vertrauen kann, dass die Anweisungen aktuell sind.
In diesem Beitrag geht es jetzt genau darum,
wie Sie regeln, dass der Notfallordner im Notfall wirklich gefunden wird und funktioniert.
Worum es beim Notfallordner wirklich geht
Viele denken zuerst an wichtige Details.
Sind die Passwörter klar, gibt es Kontenvollmacht, sind die Vollmachten vergeben?
Das ist aber nicht der erste Schritt.
Der erste logische Schritt, den sie aber unbedingt gehen müssen,
liegt in der sicheren Beantwortung folgender Fragen:
Wer weiß überhaupt, dass Sie einen Notfallordner gemacht haben?
Wer weiß, wo sich dieser befindet?
Wer kann ihn nutzen, ohne fünf Rückfragen zu stellen?
Ist der, der Zugriff auf den Notfallordner bekommt auch zum Handeln legitimiert?
Wenn das nicht geklärt ist, ist der Notfallordner umsonst.
Vergebene Liebesmüh.
Ohne Beantwortung kommt es zu Hektik und Fehlentscheidungen.
Es wird improvisiert.
Keiner weiß, ob er in Ihrem Sinne handelt.
Und genau das wollten Sie verhindern.
Ein Schritt zurück:
Was der Notfallordner leistet
und was er nicht kann
Gehen wir also einen Schritt zurück und rufen uns in Gedächtnis,
wofür ein Notfallordner gemacht wird.
Und was er andererseits nicht leistet und auch nicht preisgibt.
Er ist für den Notfall gedacht !
Nur für den Notfall !
Er hilft in den ersten Stunden.
Er hilft in den ersten Tagen.
Er hilft auch noch in den ersten Wochen.
Da er sinnvollerweise nur für diese Zeit gilt,
muss er keinerlei weiterreichende Informationen enthalten.
Nichts zu Ihrem Vermögen.
Nichts zu Ihrem Testament.
Es geht nur darum, dass in einem Notfall in Ihrem Sinne für Sie gehandelt werden kann.
Zur Sicherheit: es geht jetzt nicht um Ihr Vermögen.
Das ist der falsche Zeitpunkt.
Und nicht Aufgabe eines Notfallordners.
Im Zweifel geht das die Personen, die im Notfall handeln, auch (noch) nichts an.
Schauen wir, wen Sie in diesen Prozess einsetzen ?
Ihren Ehegatten
Logisch, das ist der erste Gedanke.
Funktioniert aber nur, wenn der Partner handlungsfähig
und mit der Situation nicht überfordert ist.
Sicherheitshalber brauchen Sie zusätzlich eine zweite Person, besser sogar noch eine dritte.
Ein erwachsenes Kind
Wenn Ihr Kind damit klar kommt, ist das eine sehr gute Lösung.
Bei mehreren Kindern dürfen Sie natürlich niemand übergehen.
Benennen Sie ein Kind als ersten Handlungsbevollmächtigten
und dann die weiteren Kinder.
Eine Vertrauensperson außerhalb der Familie
Wird oft empfohlen.
Aber ehrlich, ich halte da grundsätzlich nichts von.
Familie ist Familie.
Und die soll auch für Sie entscheiden.
Eine Ausnahme davon nenne ich ausdrücklich:
Wenn keine Kinder vorhanden sind oder diese sehr weit weg wohnen,
dann dürfen Sie Ihren Ehegatten nicht allein lassen.
Dann müssen Sie einen Dritten einbeziehen.
Bedenken Sie aber, welch großer Vertrauensschritt das ist
und was sie diesem Menschen aufbürden.
Das ist nämlich nicht wenig Verantwortung.
Häufige Fehler:
Warum Ordner nicht gefunden werden oder nicht funktionieren
Folgende Fehler gibt es ziemlich oft
.
Vermeiden Sie diese, Sie wissen ja gleich „wie“.
Fehler 1: „Der Ordner ist gut versteckt.“
Ein Notfallordner ist kein Schmuck.
Er muss nicht in einem Safe aufbewahrt werden.
Denn, wenn Sie ihn zu gut verstecken, findet ihn im Ernstfall niemand.
Fehler 2: „Irgendwer wird ihn schon finden.“
Und wenn nicht ?
Warum sollten Sie, nachdem Sie sich erst so Mühe mit Ihrem Ordner gegeben haben,
so ein Risiko eingehen ?
Fehler 3: „Das versteht man doch.“
Auch nein.
Ein Notfallordner muss so gestaltet sein, dass man ihn ohne Vorwissen nutzen kann.
Spielen Sie einen Notfall also gedanklich Schritt-für-Schritt durch.
Oder greifen Sie auf meine bewährte Struktur zu.
Mein logische Anfang:
eine Notfall-Karte
Eine Notfall-Scheckkarte ist der eleganteste und gleichzeitig effektivste Weg,
um in einem Notfall den Notfallprozess starten zu lassen.
Denken Sie an mein Domino-Prinzip:
Mit der Notfall-Scheckkarte fällt der erste Stein.
Ich wiederhole es hier in Kürze:
- Notallkarte in mehrfacher Ausfertigung,
- Unterbringung im Portemonnaie und an 2, 3 anderen augenfälligen Orten
- auf der Rückseite die zu informierenden Personen mit Telefonnummern,
- diese Personen wissen Bescheid und lassen den nächsten Stein fallen.
Notfallordner aufbewahren:
Wo er liegen sollte, damit er gefunden wird und trotzdem sicher ist
Logisch, ein Notfallordner nützt nichts, wenn niemand ihn findet.
Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, dass jemand mal reinschaut.
Der dies eigentlich nicht soll.
Dieser Konflikt lässt sich aber gut auflösen.
Sie können den Ordner sehr sicher aufbewahren.
Wenn Sie mich fragen, mein Ordner stand in der Aufbauphase in einem abschließbaren Sideboard.
Da war es noch kein fertiger Vermögensordner.
Wo er war und wo die Schlüssel waren, wussten meine Frau und meine Kinder.
Und da befindet er sich noch immer.
Mein Sicherheitsgefühl unterliegt zwar auch manchmal der Tagesform.
Aber den Safe finde ich unpassend,
da mein Roter Ordner keine Geheimnisse verrät und gefunden werden soll.
Dazu ist es superwichtig:
Zwei Personen, mindestens, müssen zwei Dinge wissen:
- Wo der Ordner ist.
- Wie sie an den Ordner herankommen, wenn der Zugang geschützt ist.
Sagen Sie diesen Menschen nicht:
„Der liegt in meinem Büro“
Nein.
Das ist keine Lösung.
Wenn Sie Ihren zwei Vertrauenspersonen so etwas sagen,
dann können Sie es eigentlich gleich sein lassen.
Was heißt das denn genau?
Findet die suchende Person den Ordner wirklich ?
Oder ist der Ordner mittlerweile,
denn Ihre Information ist mit der Zeit veraltet, im Bankschließfach ?
Oder beim Steuerberater ?
Oder in der Küche im Medikamentenschrank versteckt ?
Ersparen Sie Ihrer Vertrauensperson solchen Stress.
Und die Gefahr, dass Ihr Ordner nicht rechtzeitig auftaucht.
Fazit:
Ein Notfallordner braucht einen festen, klar benannten und den Vertrauenspersonen auch bekannten Ort.
Ausweg, wenn niemand instruiert ist:
Der Ort muss zumindest logisch sein
Sie entscheiden, ob Sie jemand ins Vertrauen ziehen.
Oder niemanden.
Haben Sie einen Notfallordner?
Aber keine Vertrauenspersonen instruiert?
Dann wollen Sie ja trotzdem, dass in einem Notfall der Ordner sehr schnell gefunden wird.
Stellen Sie sich in dem Fall also die Frage:
„Wo würde jemand anderes ihn suchen ?“
Dann müssen Sie ihn in Ihrem Lebensumfeld so platzieren,
dass er augenfällig ist.
Ist zwar die deutlich unsicherere Variante,
aber Sie werden schon wissen, warum Sie diesen Weg gehen.
Originale
Notfalldokumente müssen im Notfallordner im Original vorliegen.
Wenn schon hier auf einen Aufbewahrungsort verwiesen wird,
verliert die Vertrauensperson Zeit und das Ganze wird sinnfrei.
Wir reden jetzt über einen Notfallordner.
Und nicht über einen Vermögensordner.
In den Notfallordner müssen andere Dokumente nicht im Original abgelegt sein.
Es ist schließlich ein Notfallordner und soll im Notfall helfen.
Aufbewahrungsorte im Überblick
Notfallordner zu Hause
Wenn Sie, was naheliegend ist, den Notfallordner zu Hause aufbewahren,
ergeben sich folgende Vorteile:
Die Aufbewahrung ist für Angehörige praktisch.
Soweit sie denn freien Zugang haben.
Sehr wahrscheinlich ist das in einem Ernstfall die schnellste Möglichkeit.
Aus Sicherheitsgründen würde ich aber immer eine zweite Version des Ordners an einem weiteren Ort aufbewahren.
Notfallordner im eigenen Tresor
Hört sich gut an.
Ist auch gut, wenn klar ist, dass die Vertrauensperson den Safe auch öffnen kann.
Und darf.
Und soll.
Ja, der Schutz ist hoch.
Das benötigte Vertrauen aber auch.
Wollen Sie wirklich Ihren Safe öffnen lassen können?
Ich nicht.
Jedenfalls nicht in einem Notfall, sondern nur von meiner Frau und meinen Kindern.
Und dann auch nur, wenn ich zustimme.
In Summe der Argumente neige ich zu der Ansicht,
dass ein Safe nicht der perfekte Ort ist.
Aber, wie gesagt, auch das Sicherheitsbedürfnis hat Tagesform.
Und, außerdem, wenn der Zugang in einem Notfall scheitert,
weil es mit Schlüssel besorgen und aktuelle Kombination erhalten,
doch nicht so einfach ist,
dann ist der Tresor doch keine so gute Idee.
Notfallordner im Bankschließfach
Ja, das ist eine gute Idee, das ist sicher.
Oder?
Nein, es gilt das Gleiche wie beim Safe zu Hause.
Der Zugriff ist einfach zu unsicher.
Außerdem, wer gibt schon gerne lebzeitig die Möglichkeit eines Einblick in den persönlichen Banksafe?
Stellen Sie sich nur die Situation vor:
Sie meinen, Sie hätten dieses bestimmte Schmuckstück in der Bank aufbewahrt.
Und dann wieder herausgeholt.
Und dann wieder reingelegt.
Oder doch nicht?
Möchten Sie dann darüber nachdenken,
ob es an Ihrer Vergesslichkeit liegt oder ob vielleicht …
(Es hatte ja jemand Kenntnis und Zugriffsmöglichkeit)
Für mich ist ein Bankschließfach keine Lösung.
Der Notfallordner muss ja auch immer wieder aktualisiert werden.
Wer muss wissen, wo der Ordner liegt ?
Da das Thema hochsensibel ist, kann hier nur der aller engste Vertrauenskreis angesprochen sein, also:
Partner oder
erwachsenes Kind oder
eine Vertrauensperson außerhalb des Haushalts
Und, wie gesagt, ich empfehle mindestens zwei 2 Personen auszuwählen.
Warum Sie ein Notfallblatt brauchen
Sie können ein Notfallblatt schnell schreiben.
Es besteht ja nur aus 1, 2 Seiten.
Sehr schön soweit, aber:
Damit es Ihnen in einem Notfall wirklich hilft,
muss sein Vorhandensein logischerweise bekannt sein.
Denn wenn Ihnen etwas passiert, ist die Lage sowieso maximal angespannt.
Ihre Angehörigen sind unter Stress, nichts ist im ersten Moment klar.
Und trotzdem muss gehandelt werden.
Und zwar schnell.
In Ihrem Sinn.
Genau das gelingt Ihnen mit einem Notfallblatt.
Es ist Ihre Anweisung an Ihre Familie.
Der wichtigste Grundsatz
Auffindbarkeit ist König.
Sie können alles richtig formulieren.
Wenn das Blatt im entscheidenden Moment nicht auftaucht, war es vergebene Liebesmüh.
Deshalb müssen Sie diese zwei Fragen beantworten können:
Wer weiß, dass er im Notfall handeln soll?
Wie findet diese Person das Notfallblatt in 60 Sekunden?
Es gibt zwei Aufbewahrungsmöglichkeiten für das Notfallblatt
Es gibt eigentlich den einen perfekten Ort, nämlich:
Variante 1: Ganz vorne im Ordner
Das Notfallblatt liegt ganz vorne im Notfallordner oder Vermögensordner.
Vorteil:
Wer den Ordner findet, findet automatisch auch das Notfallblatt.
Es springt ins Auge, denn es kann nicht übersehen werden.
Nachteil:
Wenn der Ordner nicht gefunden wird, hilft es auch nicht.
Von daher meine Empfehlung: fahren Sie mehrgleisig.
Variante 2: In der Wohnung
Ein zweiter Ort kann helfen, wenn der Ordner nicht sofort aufzufinden ist.
Da ihn ja keiner weiß, muss das Notfallblatt auffällig sein.
Praktikable Orte sind:
– sichtbar am Schreibtisch,
– im Schlüsselkasten,
– ein augenfälliger Platz.
Das ist natürlich weder die beste noch die sicherste Variante.
Aber immerhin, besser als nichts.
Eine Notfall-Scheckkarte
Meiner Meinung nach die pragmatischste Lösung für geregelte Notfallhilfe.
(Übrigens meine Idee, als ich den Prozess Schritt-für-Schritt- auseinander genommen habe)
Eine kleine rote Karte im Scheckkartenformat oder ein kurzer Hinweis, den man findet, wenn man handeln muss.
Zum Beispiel befindet sich eine solche Notfallkarte:
– in Ihrem Portemonnaie,
– im Auto,
– in den Eingangsbereich Ihrer Wohnung.
Auf diese Karte gehört nicht der Inhalt des Notfallblatts.
Auch nichts zu Ihrem Vermögensordner.
Wie an anderer Stelle zu lesen ist,
benennen Sie auf der Rückseite Ihre drei Notfallverantwortlichen.
Und, wenn Sie wollen (ich empfehle es), nennen Sie hier den Standort Ihres Notfallordners.
Wer muss von dem Notfallordner wissen ?
Ich empfehle Ihnen, dass mindestens zwei Personen um das Notfallblatt wissen.
Eine Person kann ausfallen, nicht erreichbar sein oder mit der Situation überfordert sein.
Dann brauchen Sie einen Plan B, sprich weitere Vertrauenspersonen.
Diese zwei Personen sollten:
– Ihnen nah sein,
– über den Einsatz im Notfall informiert werden
– und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.
Typischerweise sind das:
– Ehepartner,
– erwachsene Kinder
– eine zweite oder dritte Vertrauensperson (Freund, Geschwister)
Sie müssen diesen Menschen überhaupt nicht Ihr Vermögen offenlegen.
Ein Testament ist in diesem Moment auch ganz fern und hat niemanden zu interessieren.
Und auch eine Vermögensübersicht wird im Notfall nicht (!) benötigt.
Es ist ja gut möglich, dass Sie aus dieser Notfallsituation herauskommen.
Wieder Herr Ihrer selbst sind.
Und vielleicht in ein paar Jahren neue Entscheidungen treffen.
Notfallverantwortliche müssen nicht alles kennen.
Sie sollen nicht alles wissen.
Sie müssen nur darüber informiert sein:
– es gibt ein Notfallblatt,
– ich bin Notfallverantwortlicher
– und so finde ich den Roten Ordner.
Datum und Aktualisierung
Schreiben Sie ein Datum auf das Notfallblatt.
So sieht jeder sofort, ob es aktuell ist.
Wie oft sollen Sie aktualisieren ?
Einmal pro Jahr genügt grundsätzlich.
Und zusätzlich aktualisieren Sie sofort, wenn sich etwas ändert.
Wenn sich zum Beispiel ändert:
– Wechsel bei den Notfallverantwortlichen,
– Ansprechpartner ändern sich (Notar, Steuerberater, Arzt)
– andere wichtige Veränderungen (Umzug in Heim, neues Testament ….).
Klassischer Fehler:
zu viele Kopien an zu vielen Orten
Machen Sie das nicht.
Es wirkt zwar sicher.
Tatsächlich kommt es in der Praxis dazu,
dass irgendwann alte Versionen herumliegen.
Und im Ernstfall findet dann jemand die falsche Information.
Verbindung zu Ihrem Vermögensordner
Ein Notfallordner hilft im Notfall.
Damit Sie Ihr Vermögen erfolgreich schützen, braucht es mehr.
Wenn Vermögen, Immobilien, Depots, Beteiligungen und viele Verträge dazukommen, reicht „Notfall“ nämlich nicht mehr.
Zum Vermögensordner: [LINK_VERMOEGENSORDNER]